Haingrund

DER NAMENSWECHSEL WALDERLENBACH-HAINGRUND - EIN BEITRAG ZUR ORTSGESCHICHTE
Der nordöstliche Odenwald zählt zu den am wenigsten erforschten Gebieten Hessens. Dies gilt insbesondere fur das Territorium der alten Lützelbacher Zent in der ehemaligen Herrschaft Breuberg und den sich mainseits anschließenden bayrischen und baden-württembergischen Grenzgebieten. Geht man den Gründen hierfür nach, so stößt man auf das vermeintliche Fehlen ausreichenden Quellenmaterials. Dıeser Umstand trifft insbesondere auf den Raum Haingrund - Seckmauern - Worth - Trennfurt - Laudenbach - Bremhof - Vielbrunn - Kimbach - Hainhaus - Haingrund zu.
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Wir setzen bei der Betrachtung der Geschichte dieses Raumes an einem Problem an, das in der bisherigen Forschung zwar beachtet und behandelt, kaum aber einer befriedigenden Lösung zugeführt worden ist. Es geht um den Namenswechsel Walderlenbach - Haingrund, der sich am Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert vollzogen haben muß. Dieser Vorgang hat manchen Betrachter schnell zu der Annahme verführt, die Bewohner Walderlenbachs seien ausgestorben oder verzogen, ihre Wohnplätze verfallen und vergessen und der ganze Ort schließlich wüst geworden.
Es soll uns daher die Frage beschäftigen, ob wir es in „Walterlebach” - so eine häufig belegte historische Namensform - tatsächlich mit einer Wüstung zu tun haben, wie es uns zahlreiche Betrachter nahelegen, oder ob nicht doch andere Gründe für diesen Namenswechsel beizubringen sind.
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Zum Begründer der These vom ausgestorbenen Dorf Walderlenbach wurde der Archivar Konrad DAHL, der in seiner „Geschichte und Beschreibung der alten Herrschaft Klingenberg am Main”, dessen Lage gehörig deplazierte. Er schrieb über „Walterbach”: „[...] die eigentliche Lage dieses Ortes ist unbekannt, weil es nicht mehr existiert; es lag aber in der Nähe vor Wörth, Seckmauern und Trennfurt, und war so wie beide letztere Orte, ein Filial von Wörth.
Weitaus treffender faßte der Erbacher Hofhistoriker Gustav SIMON seine Einschätzung von der relativen Identität zwischen Walderlenbach und Haingrund zusammen: „Walterlebach war der untere Theil des Dorfes Haingrund und der obere Theil von Seckmauern. Den Namen Haingrund hat ersteres empfangen von dem Thale welch hieß. Wie er zu dieser Ansicht gelangte, zeigt er an anderer Stelle: „Im J. 1730 kommen noch beide Benennungen als die besonderen Dörfer vor. Damals hatte Walterlebach 4 Centmanner und 3 Beisassen, Haingrund aber 5 Centmänner und 4 Beisassen”. Leider hat Simon seine Quelle nicht genannt. (...)

Aus: 825 Jahre Lützelbach; Reinhard Olt; DER NAMENSWECHSEL WALDERLENBACH-HAINGRUND - EIN BEITRAG ZUR ORTSGESCHICHTE